>> Der Schutzpatron St. Leonhard <<
     

     

    Der heilige Leonhard lebte in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts in Frankreich. Er starb am 6. November 559 als Abt seines Klosters, das heute St. Leonhard de Noblat heißt und bei Limoges liegt.

    Als Vertrauter des französischen Königs begleitete er diesen auf seinen Reisen durch das Königreich. Er hatte dabei den Auftrag, die Rechtmäßigkeit der Verurteilung von Gefangenen zu überprüfen. Viele Gefangene kamen durch seinen Einspruch frei und so wurde Leonhard rasch zum Volksheiligen. Er wurde der Patron der Gefangenenbefreiung, der sogenannten ´bantlöser´. In dieser Eigenschaft wurde er besonders von den Rittern und Kreuzfahrern verehrt, insbesondere dann, wenn diese in islamische Gefangenschaft geraten waren. Aus dieser Kreuzfahrerzeit stammt auch die plötzliche Verbreitung seiner Verehrung über Frankreich hinaus nach England, Italien und Deutschland. In Schwaben, Bayern und Österreich wurde Leonhard zu einem der volkstümlichsten Heiligen.

    Am Anfang des 15. Jahrhunderts trat ein Wechsel im Patronat Leonhards ein. Als Gefangenenbefreier wurde Leonhard mit Ketten und Handschellen dargestellt und dies besonders im hohen Mittelalter. Als die Kreuzzüge längst vorbei waren, verstand man die ursprüngliche Bedeutung der Ketten nicht mehr. Die Gefangenkette wurde zur Viehkette umgedeutet. So wurde Leonhard schließlich zum Schutzherrn aller Bauernanliegen wie Vieh, Wetter, Pferde. An sein Fest und seine Verehrung knüpfen sich eine Reihe von Volksbräuchen: Leonhardsfahrten und Leonhardsritte mit Pferdesegnung, Darbringung von eisernen Tierfiguren als Votivgaben, Umspannen von Kirchen mit Ketten, sog. Kettenkirchen.

    St. Leonhard ist der einzige Heilige, dem man Eisen opferte. Eisen war ein sehr wertvolles Metall. Es wurde zu Votivgaben verarbeitet wie z.B. menschliche Figuren, Körperteile, Tierfiguren, Ringe oder Ketten. In frühester Zeit war die Gefangenkette am verbreitetsten. Sie wurden zu Hunderten in den St. Leonhardskirchen aufgehängt.